Biberführung im Issumer Rathauspark: Natur- und Gewässerschutz gemeinsam gedacht

Rund 30 Interessierte kamen gestern zur bereits zweiten Biberführung der Issumer Grünen in den Rathauspark. Die große Nachfrage nach dem ersten Termin hatte gezeigt, wie groß das Interesse an den tierischen Bewohnern des Parks ist. Bei bestem Wetter erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel Wissenswertes über die Lebensweise, Ernährung und die besondere Rolle des Bibers für unsere heimische Landschaft. Seit geraumer Zeit haben sich im Issumer Rathauspark mehrere Biber angesiedelt. Ihre Spuren sind nicht zu übersehen: Eine Biberburg und mehrere Dämme zeugen von der regen Bautätigkeit der Tiere.

Für einen unterhaltsamen und zugleich sehr informativen Abend sorgte Stefan Wallney vom NABU. Anschaulich erklärte er, wie Biber leben, was sie fressen und wie sie ihre Umgebung gestalten. Unterstützt wurde sein Vortrag durch Bilder und mitgebrachte Holzstücke, an denen die typischen Fraßspuren der Biber deutlich zu erkennen waren. Mit viel Humor und anschaulichen Beispielen vermittelte Wallney, was es mit dem „Gärtner“ Biber auf sich hat: Durch das Fällen von Bäumen, das Anlegen von Dämmen und die Veränderung von Gewässerrändern gestaltet der Biber seine Umgebung aktiv nach seinen Bedürfnissen.

Dabei lernten die Teilnehmer auch, wie sich der Biber von Nutria und Bisamratte unterscheiden lässt. Alle drei Arten können Auswirkungen auf Gewässer und Böden haben, allerdings auf sehr unterschiedliche Weise. Gerade deshalb ist eine genaue Kenntnis der Tiere wichtig, um mögliche Probleme richtig einzuschätzen.

Neben der Perspektive des Naturschutzes kam auch die Sicht der Gewässerunterhaltung zur Sprache. Herr Oestrich vom Wasser- und Bodenverband Issumer Fleuth erläuterte, welche Herausforderungen die Aktivitäten der Biber für die Wasserwirtschaft mit sich bringen können. Durch die Aufstauung von Wasser können beispielsweise landwirtschaftlich genutzte Flächen überflutet werden. Der Wasser- und Bodenverband unterhält rund 150 Kilometer Gräben in einem dynamischen Gewässersystem, in dem viele Faktoren berücksichtigt werden müssen. Gleichzeitig zeigte sich aber auch: Bei den derzeitigen Wasserständen sind die positiven Auswirkungen der Biber durchaus willkommen. Der Biber sorgt durch seine Dämme für eine
stärkere Wasserrückhaltung und schafft damit Strukturen, die aus Sicht des Naturschutzes wertvoll sind.

Denn genau darin liegt die besondere Bedeutung des Bibers als „Ökosystem-Ingenieur“. Durch seine Tätigkeit entstehen offene und feuchte Bereiche, die unter anderem für Jungfische und Amphibien wichtige Lebensräume darstellen. Was zunächst wie das Fällen eines Baumes oder das Aufstauen eines kleinen Gewässers aussieht, kann damit weitreichende positive Folgen für die Artenvielfalt haben.

Dass Naturschutz und Gewässerschutz dabei nicht zwangsläufig Gegensätze sein müssen, zeigt ein gelungenes Beispiel direkt in Issum. Gemeinsam haben NABU und Wasser- und Bodenverband einen Biber-Damm so gestaltet, dass ein Rohr eingebaut wurde. Dadurch kann das Wasser weiterhin gestaut werden, gleichzeitig bleibt aber ein kontrollierter Abfluss erhalten. So werden die Lebensbedingungen für den Biber erhalten und gleichzeitig problematische Wasserstände vermieden. Genau solche Lösungen machen Mut: Nicht immer muss es darum gehen, zwischen Natur und menschlichen Interessen zu entscheiden. Oft lassen sich mit etwas Kreativität und gegenseitigem Verständnis Kompromisse finden, die beiden Seiten gerecht werden.

Die zweite Biberführung hat damit nicht nur viel Wissen über einen faszinierenden Bewohner des Issumer Rathausparks vermittelt, sondern auch gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Naturschutz und Gewässerunterhaltung ist. Der Wunsch der Issumer Grünen: Wenn wir auch bei anderen Konflikten zwischen Mensch und Natur solche gemeinsamen Lösungen finden könnten, wäre viel gewonnen. Aufgrund der großen Nachfrage wird es im September eine dritte Führung geben. Der Termin wird demnächst bekannt gegeben.